Arbeitsmaiden im Schlosshof
"1933 wurde im leerstehenden Mairhof'schen Schloss eine Truppführerschule eingerichtet. Sie diente zur Ausbildung von Arbeitsdienstführern, die später als Lagerleiter eingesetzt werden sollten. Anschließend wurde das alte Schloss mit der Gruppe 285 des NS-Arbeitsdienstes belegt. Es war wegen seines großen Innenhofes für die täglichen Apelle sehr gut geeignet. Der Arbeitsgruppe war ein Musikzug zugeordnet. Die im Lager untergebrachten jungen Männer, meist Arbeitslose, erhielten neben der Verpflegung nur einen Mini-Sold von fünfundzwanzig Pfennigen pro Tag ...
... Die Tätigkeitder Arbeitsmänner war nützlich. Zuerst wurde das Schloss renoviert, dann der Seltenbach reguliert und anschließend der Weinbergsweg am Hohberg vom Pavillon bis nach Erlenbach verlängert. Dies waren insgesamt 2.200 Meter auf Klingenberger und Erlenbacher Gemarkung.
1937 wurde das Lager mit Arbeitsmaiden besetzt, die kinderreichen Familien im Haushalt und Landwirten auf dem Feld halfen. Mehrere Mädchen fanden dabei in Klingenberg ihren Partner fürs Leben. Die Einheimischen hatten ein gutes Verhältnis zum Lager, sah man darin doch keine nationalsozialistische Einrichtung.
Die politische Führung des Bezirks Obernburg, die sogenannte Kreisleitung, war bald nach der Machtergreifung mit der des Bezirks Miltenberg vereint und für einige Jahre zentral in Klingenberg untergebracht worden. Die Stadtverwaltung hatte dafür den zweiten Stock des Rathauses zur Verfügung gestellt. 1938 wurde die Kreisleitung nach Mittenberg verlegt. Die Deutsche Arbeitsfront benutzte mehrere Jahre Büroräume in der alten Post.
Auch in die Volksbewegung "Kraft durch Freude" war Klingenberg als Urlaubsort einbezogen worden. Die Gäste wohnten meist in Privatquartieren und wurden in den Gaststätten verpflegt, denn der Urlaub sollte für jedermann erschwinglich sein. Die Vereine organisierten Heimatabende mit Gesang und Theaterspiel. Vor allem kam die volkstümliche Operette "Winzerliesel" mehrfach zur Aufführung.
Oberflächlich betrachtet schien alles in Ordnung zu sein in dem kleinen Städtchen. Zwar hatte man abgelehnt, eine Straße nach den braunen Machthabern zu benennen, aber ansonsten verhielt man sich linientreu ..."
Auszug aus der Chronik der Stadt Klingenberg, Band II, Seite 43






















