Die Kolpingsfamilie Klingenberg
Zur Geschichte der Kolpingsfamilie Klingenberg
Die Kolpingfamilie Klingenberg wurde im Jahre 1931, gegründet.
Die Initiatoren zur Gründung des Vereins, der zuerst Katholischer Gesellenverein genannt wurde, waren ganz im Sinne Adolph Kolpings von dem Gedanken befasst, der Jugend in der Zeit der großen Arbeitslosigkeit und des Parteienstreits einen geistig religiösen Hintergrund zu geben und sie auf die Aufgaben in Beruf und Familie, in Kirche, Staat und Gemeinde, vorzubereiten.
Dem Aufruf zur Gründungsversammlung am 21. Juli 1931 folgten zunächst 12 Personen. Um die Gemeinschaft zu fordern, wurden die Zusammenkünfte (Convente genannt) durch bunte Unterhaltungen aufgelockert. Rasch stieg denn auch die Anzahl der Mitglieder auf über 30 Personen an. Die Mitglieder des katholischen Gesellenvereins waren voller Elan und Tatkraft, so dass sie schon im folgenden Jahr 1932 ein großes Fest auf der Clingenburg mit einem Bickenbachspiel veranstalten konnten.
Der junge Verein wurde alsbald weithin bekannt. Wandernde Gesellen hatten in Klingenberg einen Anlaufpunkt, wo sie kostenlose Tagesverpflegung erhielten oder sogar kostenlos übernachten konnten.
Doch schon im Juni 1933 setzten von Seiten der braunen Machthaber erste öffentliche Angriffe gegen die katholischen Vereine, so auch gegen den katholischen Gesellenverein Klingenberg, ein.
Schließlich wurde der Verein, ebenso wie andere der Kirche nahestehende Verbände und Organisationen durch die NSDAP-Machthaber verboten. Die letzte öffentliche Veranstaltung des katholischen Gesellenvereins Klingenberg fand am 24. Januar 1934 statt.
Erst nach Ende des 2. Weltkriegs konnte im Jahr 1947 der katholische Gesellenverein wieder seine Vereinstätigkeit aufnehmen und nannte sich fortan Kolpingsfamilie Klingenberg.
Bezüglich der vielfältigen Aktivitäten der Kolpingsfamilie in den späteren Jahren sind besonders folgende hervorzuheben:
Die Kolpingsfamilie Klingenberg hatte als erster Verein im Landkreis die Idee, für die älteren Mitbürger eine Veranstaltung durchzuführen. Der Altentag, später in Seniorennachmittag umgetauft, findet immer im Advent statt. Bei der ersten Veranstaltung am 12.12.1965 konnten 50 Gäste, in späteren Jahren bis zu 100 betagte Mitbürger-/innen im Klingenberger Kindergarten, dem späteren Pfarrheim, begrüßt werden. Nach einem ökumenischen Gottesdienst gab es Kaffee, Kuchen und Torten, Wein und eine Vesper. Mit Musikdarbietungen und Theaterstücken, dargeboten u.a. durch die Pfarrjugend, wurden die Gäste kurzweilig unterhalten.
Mitglieder der Kolpingsfamilie halfen auch tatkräftig bei der Renovierung des Pfarrhauses mit, denn bevor ein neuer Pfarrer ins Pfarrhaus einzog, wurde es durch Gemeindemitglieder, darunter die Mitglieder der Kolpingsfamilie, in Eigenregie renoviert.
Genauso tatkräftig halfen die Kolpingsmitglieder bei der seinerzeitigen großen Renovierung unserer Kirche St. Pankratius mit. Das Gotteshaus musste an die Gegebenheiten nach dem II. Vatikanischen Konzil mit Einbau des Volksaltars usw., angepasst werden und wurde in diesem Zusammenhang grundlegend renoviert.
Weitere Aktivitäten der Kolpingsfamilie waren Glas-, Papier- und Altkleidersammlungen. Damals gab es ja noch keine Altglas- oder Altkleider-Container und keine blaue Tonne für das Papier. Das Sammelgut wurde im Bahnhof Klingenberg in bereitstehende Waggons verladen. Die Erlöse dieser Sammlungen wurden zu gemeinnützigen oder kirchlichen Zwecken gespendet.
Ausflüge mit dem Bus z.B. ins fränkische Land oder ins Rheinland mit Besichtigung kultureller Objekte wurden jedes Jahr durchgeführt, wobei nicht nur Kolpingsmitglieder mitfuhren, sondern auch Personen aus der Pfarrei. Insoweit leistete die Kolpingsfamilie einen wesentlichen Beitrag für ein reges Pfarreileben.
Am Adventsmarkt bzw. am Kathreinermarkt hatte die Kolpingsfamilie einen Glühweinstand. Auch die Erlöse hieraus wurden gemeinnützigen Zwecken verwendet.
Auf Bezirksebene beteiligte sich die Kolpingsfamilie an den Kegelmeisterschaften, Familiennachmittagen, Wallfahrten und Bezirksversammlungen.
Daneben kam natürlich auch die Geselligkeit z.B. bei Grillabenden, bei Faschingsveranstaltungen und bei Geburtstagsfeiern nicht zu kurz.
War der Verein als ehemaliger Gesellenverein zunächst rein männerdominiert, so strebten nach dem 50-jährigen Jubiläum im Jahr 1981 zahlreiche Frauen die Mitgliedschaft im Verein an und brachten frischen Schwung in den Verein.
In den letzten Jahren ist nun das Vereinsleben völlig zum Stillstand gekommen.
Gründe hierfür sind im fortgeschrittenen Alter der Kolpingsmitglieder zu sehen. Zahlreiche, zu Lebzeiten tatkräftige Vereinsmitglieder, sind in den letzten Jahren verstorben.
Die verbliebenen Mitglieder der Kolpingsfamilie Kingenberg haben sich deshalb nun schweren Herzens dafür entschieden, den Verein aufzulösen.
Michael Mallad, Juni 2026

