Steinmetze und Betriebe

Sandsteinvorkommen

Der Klingenberger Raum wird geologisch dem Oberen und Mittleren Buntsandstein zugerechnet.

Buntsandstein wird seit frühester Zeit als Baumaterial genutzt: Unbehauen für den Ringwall und viele Weinbergsterrassen, bearbeitet für die Clingenburg, für Kirchen, Kapellen, Wehrmauern, Brücken, Schulen, Wohnhäuser und Treppen. Weiter diente er als Werkstoff für Denkmäler, Bildstöcke, Figuren, Särge, für Brunnen, Keltern, Futtertröge, Schleifsteine, Spülbecken, Tor- und Zaunpfosten ...

Die Hochkunjunktur der Steinhauerei beginnt in Klingenberg um 1870. Überdachte Werkplätze entstanden am Röllfelder und Trennfurter Mainufer, am Bahnhof, dem Seltenbach und dem heutigen Klingenberger Friedhofsgelände.

Der Buntsandstein wurde in nahegelegenen Brüchen gewonnen, mit Gespannen zu Werkplätzen transportiert und dann per Floß, Schiff oder Bahn in den Frankfurter Raum, das Rheinland, ja sogar bis nach Holland und Rußland transportiert.

Die Sandsteinverarbeitung gliederte sich in drei Gruppen:
Der Steinbrecher löst das Rohmaterial aus dem Steinbruch durch Keilspaltung oder Sprengung. Der Steinhauer verwandelt es mit Schlägel und Scharriereisen zum fertigen Baustein oder Gebrauchsgegenstand. Der Steinmetz oder Steinbildhauer verziert die Werkstücke oder fertigt Plastiken und Reliefs.

Die Steinverarbeitung bot vielen Menschen ein sicheres Einkommen. Es zeigten sich jedoch auch negative Aspekte: Der feine aber scharfkantige Steinstaub drang in die Lungen und führte oft zu vorzeitiger Invalidität oder Tod.

In den zwanziger Jahren des 20. Jahrunderts verdrängte der Kunststein das natürliche Material und die Steinhauerei kam langsam zum Erliegen. Im Zuge der durch Umwelteinflüsse notwendigen Restaurierungsarbeiten ist der Steinbildhauer aber dennoch weiterhin wieder gefragt.

Steinhauer und Steinmetze in Klingenberg

Die Steinhauerei hatte in allen drei Stadtteilen Tradition. In Röllfeld waren um dieJahrhundertwende 162 Steinhauer und Steinmetzen in elf Steinbrüchen beziehungsweise steinverarbeitenden Betrieben registriert. In Trennfurt bestanden mehrere Steinbrüche in Flussnähe mit Bearbeitungs- und Verladeplatz am Mainufer sowie zahlreiche Steinhauerhütten am Bahnhof. Das gleichmäßige Geräusch ihrer Klüpfel gehörte zum Klingenberger Werktag.
Im ursprünglichen Klingenberg waren hauptsächlich Steinmetzen und Steinbildhauer tätig. Einer von ihnen (Steinmetz Schirmer) hat am Völkerschlachtdenkmal von Leipzig mitgearbeitet. Hergestellt wurden Mauersteine, Tröge, Zaunpfosten, Fenstersimse, Türrahmen und Türschwellen, aber auch Schmucksteine, Säulen und Figuren für vornehme Bürgerhäuser und Ämtergebäude. Nicht zu vergessen sind Bildstöcke, Heiligenfiguren, Kruzifixe und Grabmäler. Der Transport erfolgte per Schiff oder Bahn. Hauptabnehmer war die Bauindustrie im Raum Frankfurt. Aber auch bis ins Rheinland ging der rote Klingenherger Sandstein. Quelle: Chronik der Stadt Klingenberg